Indie Translations




Mordsmäßig schön

von Jana DeLeon

Übersetzt von: Jeannette Bauroth
Originaltitel: Lethal Bayou Beauty
Erscheinungsdatum: Oktober 2015

Niemand in der ganzen Stadt konnte Pansy Arceneaux leiden, aber wer hasste sie genug, um sie umzubringen? Als die aufstrebende Schauspielerin nach Sinful, Lousiana zurückkehrt, um den Schönheitswettbewerb im Rahmen des Sommerfestivals zu leiten, ist CIA-Agentin Fortune Redding klar, dass das nur zu Ärger führen kann. Ihre Undercover-Identität als ehemalige Schönheitskönigin macht Fortune zur idealen Besetzung, um zusammen mit Pansy bei der Veranstaltung den Vorsitz zu führen, aber Pansys aggressive Art führt bei jeder Probe zu Streit. Als sie schließlich tot aufgefunden wird, ist Fortune die Hauptverdächtige. Ihr bleiben nichts weiter als ihr Verstand und die beiden eifrigen Seniorinnen der „Rheuma-Mafia“, um den wahren Mörder zu finden, ehe ihre Tarnidentität auffliegt.

Read an Excerpt

Kapitel 1

Ich träumte gerade, ich wäre Lara Croft, nur weniger girliehaft, als mein Handy klingelte. Ich sprang aus dem Bett, schnappte mir meine Neunmillimeter und richtete sie auf die Schlafzimmertür. Dann fiel mir ein, dass ich mich ja in Sinful, Louisiana, versteckte und nicht auf einer CIA-Mission im Nahen Osten war. Ich legte die Waffe zurück auf den Nachttisch und griff nach meinem Handy.

Sieben Uhr.

Auf dem Display erkannte ich Gerties Nummer. Sie war eine der vermeintlich stillen und unscheinbaren Seniorinnen, die ich an meinem ersten Tag in der Kleinstadt am Bayou kennengelernt hatte. Vor meiner Ankunft in Louisiana hatte ich befürchtet, dass die größte Gefahr hier darin bestand, mich zu Tode zu langweilen, während ich mich vor dem Waffenhändler versteckte, der ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hatte. Stattdessen waren die lustigen Rentnerinnen und ich von der Polizei verfolgt und von einem Mörder gestalkt worden, hatten den stalkenden Mörder getötet und einen fünf Jahre alten Mordfall aufgeklärt.

Dabei war ich erst seit fünf Tagen in der Stadt.

„Es gibt einen Notfall“, sagte Gertie, sobald ich den Anruf angenommen hatte. „Ida Belle und ich sind schon unterwegs zu dir.“

Sie beendete das Gespräch, bevor ich mich nach Details erkundigen konnte, und ich rannte ins Bad, um mich zu waschen und mir eine Jeans und ein T-Shirt überzuziehen. Hoffentlich war nicht irgendwas passiert, was Marie mit dem Mord an ihrem Mann in Verbindung brachte. Nach den Ereignissen am Vortag hatten wir geglaubt, sie wäre sicher. Aber in Sinful, Louisiana, konnte sich jederzeit alles schlagartig ändern. Und nach allem, was wir vier gemeinsam durchgemacht hatten, waren wir inzwischen auch ganz selbstverständlich zum Du übergegangen.

Ich rannte gerade nach unten, als ich Gerties altertümlichen Cadillac die Einfahrt hochfahren hörte. Eilig entriegelte ich die Tür und machte mich auf den Weg zur Küche, um Kaffee aufzusetzen. Ohne koffeinhaltige Getränke konnte man kein vernünftiges Gespräch mit Gertie und Ida Belle führen. Gerties Ton nach zu urteilen, war Whiskey vermutlich besser geeignet als Kaffee, aber es war erst sieben Uhr morgens und wohl noch zu früh, um sich schon der Flasche zuzuwenden.

Allerdings war ich da flexibel.

Ida Belle, die Vorsitzende der Sinful Ladies Society – die Gesellschaft der Damen von Sinful, die gerne auch mal als Rheuma-Mafia bezeichnet wurde –, betrat als Erste die Küche, und sie wirkte alles andere als glücklich. Allerdings hätte ich vermutlich kein Fünkchen begeisterter gewirkt, wenn man mich um diese Uhrzeit im Bademantel und mit einer Unmenge von Lockenwicklern auf dem Kopf aus dem Haus geschleift hätte. Gertie folgte ihr, einen genervten Ausdruck im Gesicht, der vermutlich von Ida Belles Beschwerden auf dem zwei Blocks langen Weg zu mir herrührte.

Ida Belle warf einen Blick auf die leere Kaffeekanne und seufzte, dann ließ sie sich auf einen Stuhl am Küchentisch fallen.

„Tut mir leid“, entschuldigte ich mich für die Kaffeesituation. „Als Gertie angerufen hat, habe ich noch geschlafen.“

Ida Belle machte eine wegwerfende Handbewegung. „Selbst die Hähne haben bei Gerties Anruf noch geschlafen. Die Frau ist zu den unmöglichsten Zeiten wach.“

„Wenn du zu einer normalen Zeit ins Bett gehen würdest, wie andere Frauen in deinem Alter“, sagte Gertie, „dann hättest du auch nicht solche Probleme mit dem Aufstehen.“

„Ich hab noch mein Auto gewachst“, grummelte Ida Belle.

Gertie verdrehte die Augen. „Du und dieses Auto. Hast du nicht gesagt, dass du etwas gegen deine ungesunde Beziehung zu diesem Wagen tun wolltest?“

Ich holte drei Kaffeebecher. Bis die beiden diese uralte Diskussion beendet hatten, wäre der Kaffee längst fertig. Außerdem wollte ich keinesfalls da hineingezogen werden. Ich hatte selbst einiges zu Ida Belles Besessenheit von ihrem Auto beizutragen, aber nichts davon wäre für sieben Uhr morgens geeignet gewesen.

„Zu deiner Information“, giftete Ida Belle. „Ich hab es poliert, damit ich es verkaufen kann.“

Wie erstarrt blieb ich stehen. Zum ersten Mal, seit wir uns kannten, erlebte ich Gertie sprachlos.

„Hört auf, mich anzustarren, als hätte ich den Verstand verloren“, sagte Ida Belle. „Ihr beiden habt doch behauptet, ich hätte ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis zu diesem Auto. Eigentlich ist das alles eure Schuld.“

Ich schwieg. Ida Belle war eine Meisterschützin und womöglich selbst im Bademantel bewaffnet.

„Nun“, sagte Gertie und schob klugerweise ihren Stuhl ein paar Zentimeter weg von Ida Belles. „Dann kümmern wir uns wohl besser um das aktuelle Problem.“

Themawechsel. Gute Entscheidung.

„Die GWs haben sich heute früh im Morgengrauen getroffen“, berichtete Gertie.

Ich schenkte drei Tassen Kaffee ein und reichte sie an Gertie weiter. „Wer?“

„Die GWs.“

Ich setzte mich auf einen Stuhl und nahm einen Schluck aus meinem Becher. „Will ich überhaupt wissen, wer oder was das ist?“

„Vermutlich nicht“, sagte Ida Belle.

„Das ist eine örtliche Frauengruppe“, erklärte Gertie.

„Hat Sinful denn mit der Sinful Ladies Society noch nicht alle Hände voll zu tun?“, fragte ich. Die SLS, angeführt von Ida Belle, zog bereits seit den Sechzigern insgeheim die Strippen in der Stadt.

„Meine Gesellschaft macht keine Probleme“, wehrte Ida Belle ab. „Wir sorgen dafür, dass alles glattläuft. Einigen der Frauen gefielen jedoch unsere Eintrittsvoraussetzungen nicht, weshalb sie ihren eigenen Klub gegründet haben.“

„Ah.“ Langsam verstand ich. Nur alte Jungfern und Frauen, die seit mindestens zehn Jahren verwitwet waren, konnten sich um die Mitgliedschaft bei der SLS bewerben. Die Damen glaubten fest daran, dass ein enges Verhältnis zu Männern das logische Denken beeinträchtigte. Prinzipiell sah ich das ähnlich.

„Und wofür steht GW?“, fragte ich.

Ida Belle verdrehte die Augen.

„God’s Wives“, erklärte Gertie.

„Pah. Frauen Gottes. Ich nenne sie lieber Gelangweilte Weiber“, mischte sich Ida Belle ein.

„Ich wünschte, ich könnte das Gegenteil behaupten“, sagte Gertie, „aber obwohl Ida Belle sich ziemlich unhöflich ausdrückt, trifft es das genau. Die GWs überlegen ständig, wie sie der SLS eins reinwürgen können. Das ist der einzige Sinn und Zweck ihres Vereins.“

„Verstehe“, sagte ich. „Also befürchtet ihr, dass die GWs sich versammelt haben, um in diesem Krieg den nächsten strategischen Angriff zu planen?“

„Oh, daran besteht kein Zweifel. Aber wir wären nicht hier, wenn ich keine Einzelheiten hätte.“

Ich zuckte zusammen. „Bitte sagt nicht, dass ihr ihren Versammlungsort verwanzt habt.“

Seit ich entdeckt hatte, dass Ida Belle und Gertie während des Vietnamkriegs Undercoveragentinnen gewesen waren, erwartete ich ständig alle möglichen Dinge, mit denen man bei gewöhnlichen Senioren sonst nicht rechnen musste. Kurz nach meiner Ankunft in Sinful hatten sie mich anhand meiner militärischen Ausbildung als eine von ihnen erkannt und beschlossen, mir beim Aufrechterhalten meiner Tarnung zu helfen. Leider erwarteten sie im Gegenzug auch, dass ich mich an ihren Spion-gegen-Spion-Aktionen beteiligte.

„Oh.“ Gerties Miene leuchtete auf. „Das ist eine wunderbare Idee. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, den Unterrichtsraum in der katholischen Kirche zu verwanzen.“

Ida Belle nickte. „Dich als Freundin zu haben lohnt sich, Fortune.“

Ungläubig starrte ich sie an. „Ich habe nicht … Ich wollte nicht … egal. Erzählt es mir einfach nicht.“

„Also“, fuhr Gertie fort. „Heute Morgen habe ich einen Anruf von Beatrice Paulson bekommen.“

„Wer ist das?“, fragte ich.

„Unsere Spionin“, erklärte Ida Belle. „Konzentrier dich doch ein bisschen! Ich habe noch nicht genügend Kaffee intus für ausschweifende Geschichtsvorträge.“

Gertie sah sie stirnrunzelnd an. „Woher soll sie es denn wissen? Gedanken lesen können die wenigsten. Beatrice ist unser Spitzel bei den GWs. Sie ist seit elf Jahren verwitwet. Als sie also letztes Jahr die Aufnahmekriterien für die SLS erfüllt hat, haben wir sie umgedreht.“

Ich bekam Kopfschmerzen. „Seid ihr sicher, dass das nicht nach hinten losgeht? Ich meine, diese Beatrice ist schon lange ein Mitglied dieser anderen Gruppe, richtig? Woher wollt ihr wissen, dass sie euch nicht gezielt falsche Informationen gibt?“

„Sie ist sauber“, behauptete Gertie. „Als Celia nach Selmas Tod den Vorsitz übernommen hat, waren wir sicher, dass Beatrice diese Chance mit beiden Händen ergreifen würde.“

„Celia Arceneaux?“, fragte ich. „Die von den katholisch-baptistischen Bananenpuddingkriegen?“

Gertie nickte. „Genau die.“

„Meine Laufschuhe werde ich immer in die Kirche mitnehmen müssen, hab ich recht?“, fragte ich.

„Vermutlich.“

Ida Belle fuchtelte mit ihrer leeren Kaffeetasse in der Luft herum und ich sprang auf, um ihr nachzuschenken. „Wenn ihr beiden damit fertig seid, das Rad neu zu erfinden, können wir dann weitermachen? Ich muss diese Lockenwickler rausnehmen oder ich sehe den Rest der Woche aus wie ein Pudel.“

Gertie beugte sich vor und senkte die Stimme. „Beatrice hat etwas über das Sommerfest herausgefunden.“

„Warum zum Teufel flüsterst du denn?“, fragte Ida Belle. „Was man hier auf zwei Tassen Kaffee alles mitmachen muss!“

Gertie seufzte. „Bürgermeister Fontleroy hat dem Vorschlag der GWs zugestimmt, eine Misswahl für Kinder zu veranstalten.“

Ida Belle sah aus, als hätte sie an einer Zitrone gelutscht. „Keine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass dieser Idiot Fontleroy Celias ehemaliger Schwager ist, aber es gefällt mir trotzdem nicht. Mein Vorschlag mit der Schießbude wäre viel lustiger gewesen.“

„Da hast du verdammt noch mal recht“, stimmte ich ihr zu.

„Angeblich war der Idiot Fontleroy der Meinung, eine Schießbude wäre nicht familienfreundlich.“

„Dann stellt doch selbst eine auf“, schlug ich vor, weil ich überhaupt nicht verstand, warum das einen Notfall darstellen sollte. „Ich kann gut verstehen, dass ihr eine Misswahl zum Würgen findet, aber warum macht ihr nicht einfach euer eigenes Ding und ignoriert die anderen?“

Gertie bekam große Augen. „Es darf nur eine Hauptattraktion auf dem Sommerfest geben.“

Ich seufzte. „Lasst mich raten – mehr als eine Hauptattraktion verstößt gegen das Gesetz?“ Sinful war die Hauptstadt der absurden Gesetze.

Gertie nickte. „Natürlich. Trotzdem setzen wir ziemlich häufig unseren Willen durch, weil der Bürgermeister unparteiisch erscheinen will, obwohl er es natürlich nicht ist. Aber dieser Wettbewerb ist ein klarer Sieg für die Konkurrenz.“

„Aber warum?“, fragte Ida Belle. „Ich weiß zufällig ganz genau, dass Fontleroy Celia kein bisschen besser leiden kann als wir. Außerdem haben die GWs schon letztes Jahr ihren Nähwettbewerb bekommen. Dieses Jahr wären wir dran gewesen!“

„Und das ist der wirklich, wirklich schlimme Teil“, erklärte Gertie, „und der Grund, warum ich euch angerufen habe. Pansy Arceneaux kommt zurück.“

Ida Belle fiel die Kinnlade herunter. „Das ist nicht gut.“

Ich runzelte die Stirn. Der Name kam mir bekannt vor, und wenn man bedachte, dass ich noch nicht einmal eine Woche hier war und nur wenige Menschen kannte, dann war das komisch. Doch dann fiel der Groschen und ich zog scharf den Atem ein.

„Die Schönheitskönigin, die in Hollywood reich und berühmt werden wollte?“, fragte ich. „Das ist Celias Tochter?“

„Genau die“, sagte Gertie. „Pansy hat Celia erzählt, sie muss sich von ihrem hektischen Drehplan erholen, aber ich behalte die Filmdatenbank im Internet im Auge und weiß, dass das kompletter Mist ist. Vermutlich ist sie pleite und kommt nach Hause zu Mama gekrochen, um ein bisschen Geld aus ihr herauszuquetschen.“

Sofort flogen meine Gedanken zurück zu der geschmacklosen Facebookseite, auf die ich bei meiner Recherche über die Einwohner von Sinful gestoßen war. „Okay“, sagte ich, „ich verstehe, warum man von ihrer Gegenwart Ausschlag kriegen kann, aber weshalb ist das ein Notfall?“

„Weil wir bei der Hauptattraktion gleichberechtigt zusammenarbeiten müssen“, erklärte Gertie. „Wir dürfen keinen Rückzieher machen, nur weil uns das Angebot nicht gefällt.“

Ida Belle nickte. „Und da du unsere neue Sympathisantin und angeblich selbst eine ehemalige Schönheitskönigin bist, wird man erwarten, dass du die Sache übernimmst.“

Ich holte tief Luft. Verdammter Mist! Diese Undercover-Situation wurde von Tag zu Tag komplizierter. Ich stand schon kurz vor einem Magengeschwür. Als der CIA-Director Morrow mich informiert hatte, dass auf mich ein Kopfgeld von einer Million Dollar ausgesetzt war und ein Maulwurf in der CIA meine Tarnung hatte auffliegen lassen, hatte er es für eine gute Idee gehalten, mich als seine Nichte, die Bibliothekarin und Ex-Schönheitskönigin Sandy-Sue, auszugeben.

Besagte Sandy-Sue hatte eigentlich den kompletten Sommer in der Kleinstadt verbringen sollen, um den Haushalt ihrer Tante Marge aufzulösen, aber die echte Sandy-Sue jettete jetzt durch Europa, während ich versuchte, mit begrenztem Erfolg, ihren Platz in der seltsamsten Stadt auf Erden einzunehmen. Morrow hatte ja keine Ahnung, wie vielen Problemen ich seit meiner Ankunft bereits gegenübergestanden hatte. Und dabei wohnten hier weniger Menschen als in dem Hochhaus, in dem ich in Washington, D. C., lebte.

Ida Belle sah mich einen Moment lang prüfend an. „Ich nehme an, diese angeklebten Haare hatten nicht wirklich was mit einem Färbeunfall zu tun, oder?“

„Nein. Ich trage meine Haare normalerweise streichholzkurz, weil das bei meiner Arbeit und in der Wüste praktischer ist.“

Sie schüttelte den Kopf. „Hast du überhaupt eine Bürste? Weißt du, wie man ein Glätteisen benutzt oder Wimperntusche aufträgt?“

Ich starrte sie an. „Ich weiß nicht mal, wovon du redest.“

„Das ist nicht gut“, wiederholte Ida Belle.

„Dann wird sie es eben lernen“, sagte Gertie. „Uns bleiben noch ein paar Tage Zeit, und das Internet ist voller Informationen.“

Ich schüttelte den Kopf. „Ihr könnt nicht innerhalb von zwei Tagen ein Girlie aus mir machen. Ganz abgesehen davon, dass ich mit Kindern zusammen sein müsste, worin ich null Erfahrung habe. Da gibt es viel zu viele unberechenbare Faktoren. Es wäre viel einfacher, Pansy umzubringen.“

Ida Belle nickte. „Da hat sie recht.“

Gertie blickte nach oben, als erwarte sie göttliche Hilfe. „Man darf niemanden umbringen, nur weil er nutzlos und nervtötend ist.“

„Hm.“ Ida Belle war nicht überzeugt. „Sag mir nicht, dir wäre der Gedanke nicht auch schon mal gekommen, als sie noch deine Schülerin war.“

„Okay, vielleicht ein- oder zweimal.“

Ida Belle zog die Brauen hoch.

„Schon gut!“ Gertie hob die Hände. „Das Mädchen war die Ausgeburt der Hölle, und seit sie weg ist, bete ich jede Nacht, dass sie vom Erdboden verschluckt werden möge, sollte sie je darüber nachdenken, nach Sinful zurückzukehren. Aber das ist jetzt alles nicht wichtig. Pansy wird Fortune in zwei Tagen genauer unter die Lupe nehmen als die Steuerbehörde damals Al Capone, und wenn wir sie bis dahin nicht fit gemacht haben, fliegt ihre Tarnung auf.“

„Da hat sie leider recht“, grummelte Ida Belle. „Und ich glaube nicht, dass das Internet genug hergibt, um unser Problem zu lösen. Wir haben einfach nicht genug Munition.“

„Du hast mehr Munition als die israelische Regierung!“, protestierte Gertie.

Ida Belle ließ einen leidgeprüften Seufzer hören. „Wissensmunition. Du und ich, wir sind nicht gerade Fashionistas. Wir würden kaum mehr verstehen als Fortune. Wir brauchen einen Profi.“

Gertie runzelte die Stirn, doch dann strahlte sie übers ganze Gesicht. „Du denkst an Genesis.“

„Natürlich. Genesis ist perfekt dafür.“

„Ich glaube nicht, dass die Bibel und Beten uns weiterbringen“, warf ich ein, „und wozu im Alten Testament bei Genesis nachschlagen, wenn es doch sinnlos ist?“

Gertie lachte. „Genesis Thibodeaux ist eine ehemalige Einwohnerin von Sinful, die kurz vor ihrer SLS-Mitgliedschaft stand, als sie Anton kennenlernte.“

„Das ist ja der Gipfel“, sagte ich. „Sie hat die SLS-Mitgliedschaft einem Mann geopfert?“

„Aber nicht irgendeinem Mann“, erklärte Gertie. „Anton ist intelligent, atemberaubend und unglaublich charmant.“

Ida Belle nickte. „So scharf, dass es dir die Tränen in die Augen treibt. Nachdem wir ihn kennengelernt hatten, konnten wir ihr eigentlich keine Vorwürfe machen.“

„Das stimmt. Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre …“

Ida Belle machte eine abwehrende Handbewegung. „Dann wärst du immer noch viel zu alt für ihn.“

„Sei doch nicht gleich so unhöflich“, schmollte Gertie. „Auf jeden Fall ist Genesis die perfekte Lösung. Sie hat ihr eigenes Kosmetikstudio und ist bei einer Theatergesellschaft in New Orleans für Kostüme, Frisuren und Make-up zuständig.“

Ida Belle nickte. „Wenn Genesis dir nicht helfen kann, dann schafft es niemand.“

Ich nahm einen großen Schluck Kaffee. Obwohl ich nicht halb so zuversichtlich war wie Gertie und Ida Belle, musste ich es versuchen.

Anscheinend gab es nur zwei Möglichkeiten: mit Genesis am Anfang oder der Offenbarung am Ende.