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Ein Cowboy für Maddie

von Debra Clopton

Übersetzt von: Jeannette Bauroth
Originaltitel: Her Mule Hollow Cowboy
Erscheinungsdatum: 1. Mai 2015

Cowboy Cliff Masterson sieht eine Frau, die Hilfe braucht, und greift ein – weil Maddie zu stur ist, um darum zu bitten …

Maddie Rose, ein Cowgirl, hatte bisher ihren Platz im Leben noch nicht so recht gefunden, aber nun hat sie einen Teil der New Horizon Ranch geerbt – zusammen mit ihren Partnern, vier attraktiven, tüchtigen Cowboys. Maddie kann immer noch nicht so recht glauben, dass sie jetzt Miteigentümerin dieser wunderbaren Ranch ist und versucht, sich an ihr neues Leben und ihre Partner zu gewöhnen. Warum gehört sie zu den Erben? Auch wenn sie die Antwort darauf nicht kennt, will sie doch beweisen, dass sie diese Ehre verdient hat. Und da ihr das Leben in der kleinen texanischen Stadt Mule Hollow gefällt, ist sie fest entschlossen, zum ersten Mal in ihrem Leben Wurzeln zu schlagen …

Der professionelle Rodeoreiter Cliff Masterson jagt seit Jahren seinem Traum hinterher – oder läuft er doch nur vor seiner Vergangenheit davon? Er sucht nach dem Sinn des Lebens und ist bereit, die Sporen an den Nagel zu hängen und sich im Herzen von Texas niederzulassen. Die Rettung des wunderschönen Cowgirls vor den Hufen eines Bullen lässt ihn von Liebe und einer gemeinsamen Zukunft träumen. Maddie wurde jedoch schon von vielen Menschen verlassen und ist nicht bereit, ihr Herz zu riskieren. Und als er dem Cowgirl beweisen will, dass er es ernst meint, fliegen die Fetzen …

Kann die Kupplertruppe von Mule Hollow den beiden zum Happy End verhelfen?

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Kapitel 1

„Rein mit dir, du störrisches Riesensteak“, presste Maddie Rose zwischen den Zähnen hervor, während sie ihr ganzes Gewicht gegen die hintere Tür des Viehwagens warf, um sie zu schließen. Keine leichte Aufgabe, da ihre fünfundfünfzig Kilo Bufords neunhundert Kilo klar unterlegen waren. Natürlich nützte alles Schieben und Drücken nichts – trotz ihrer Kraftanstrengungen bewegte sich Bufords massiger Körper keinen Zentimeter. Er hing mit dem Hinterteil immer noch aus dem Anhänger heraus.

Genau so weit, dass sie den Riegel nicht schließen konnte.

„Na los, nur noch ein paar Zentimeter“, redete sie ihm gut zu und schob mit aller Kraft. Der Bulle blieb jedoch unbeeindruckt und bewegte sich kein Stück.

„Verdammt!“, knurrte sie frustriert.

Dabei hatte sie sich das Verladen des Bullen so einfach vorgestellt. Ha!

Der sture Buford machte ihr einen dicken Strich durch die Rechnung. Offensichtlich wollte er nicht verladen werden.

Pech für Maddie.

Aber das war ja nichts Neues.

Sie gehörte nicht zu den Menschen, die ständig jammerten, aber es war kein Geheimnis, dass sie es bisher im Leben nicht gerade leicht gehabt hatte. Seit ihrer Geburt kämpfte sie ums Überleben; sie war ein kränkliches Baby gewesen, das man in einer Babyschale auf den Stufen des Postamtes gefunden hatte. Damals war sie erst wenige Wochen alt gewesen.

Offensichtlich gehörte sie nirgendwohin.

Vielleicht davor einmal, aber Maddie war viel zu jung gewesen, um sich daran zu erinnern, und es gab auch keine Dokumente oder sonstigen Hinweise, die sie über ihre Herkunft hätten aufklären können. Aber mit Jammern hätte sie es wohl nie so weit geschafft.

Nein, im Prinzip war Maddie auch an Tage wie diesen, an denen nichts so recht klappen wollte, gewöhnt, aber allmählich hatte sie die Nase voll. In letzter Zeit konnte sie sich zwar eigentlich nicht beschweren, Bufords Verhalten war allerdings eine deutliche Mahnung, sich lieber nicht allzu sehr an das Glück zu gewöhnen, das sie seit Kurzem hatte.

Grundbesitzerin.

Der Gedanke war einfach zu verwirrend. Wie ein wunderschönes, glänzendes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, das ganz sicher jemand anderem gehören musste … und doch war es ihres.

Sie war tatsächlich Teilhaberin der fantastischen New Horizon Ranch, einer Rinderranch am Stadtrand von Mule Hollow, der bezauberndsten Kleinstadt, die Maddie je gesehen hatte. Für jemanden mit ihrer Vergangenheit, der in einem Waisenhaus aufgewachsen und dann bis zur Volljährigkeit in Pflegefamilien untergebracht gewesen war, stellte die Gemeinde eine Art Familie dar.

Leider fühlte sie sich wie eine Betrügerin.

„Was hat sich CC sich nur dabei gedacht, mich als Erbin einzusetzen?“ Die Frage beschäftigte sie seit der Testamentseröffnung vor zwei Monaten. An diesem Tag erfuhr sie, dass ihr Chef, Gott sei seiner wunderbaren Seele gnädig, seine Ranch fünf seiner Angestellten hinterlassen hatte – vier Cowboys und ihr.

Sie konnte definitiv verstehen, warum er ihren vier kompetenten Partnern einen Anteil vererbt hatte. Schließlich hatte er keine eigenen Kinder und die Männer arbeiteten bereits seit vielen Jahren auf der Ranch, obwohl sie alle nicht viel älter waren als Maddie. Es waren Cowboys, die CC gegenüber loyal und verbunden waren, und sie liebten die Ranch. Das war ihr bereits aufgefallen, als sie vor zwei Jahren zum ersten Mal einen Fuß auf das Anwesen gesetzt hatte. Sie verdienten dieses Geschenk.

Aber warum sie? Hatte er Mitleid mit ihr gehabt?

Es war ja schließlich nicht so, als ob sie herumspazierte und fröhlich ihre Vergangenheit ausposaunte. Sie hatte niemanden davon erzählt. Der intuitive CC hatte sich jedoch während eines Gesprächs einmal ein paar Dinge zusammengereimt.

Mitleid war der einzige vorstellbare Grund, aus dem er ihr einen Anteil der Ranch vermacht haben konnte.

Der Gedanke verursachte ihr Magenschmerzen. Die Unsicherheit, die sie bereits ein Leben lang begleitete, tobte in ihr. Trotz allem war sie jetzt jedoch Mitbesitzerin und wild entschlossen, sich dieses Geschenk auch zu verdienen, und wenn es das Letzte war, was sie tat.

Mit zusammengepressten Zähnen starrte sie den schlecht gelaunten Bullen an. Die Sonne schien auf die Metallflächen des Anhängers und ihre Handflächen wurden feucht. Sie spannte sich an – jetzt reichte es.

Maddie stemmte sich mit den Stiefeln in den Matsch. Aufgeben kam nicht infrage. Sich dem Bullen zu beugen war nicht gerade geeignet, um sich zu beweisen.

Um die Ranch zu verdienen, musste sie härter arbeiten, mehr schaffen, kompetent und zuverlässig sein.

Zum ersten Mal im Leben bot sich ihr eine große Chance und sie würde dafür sorgen, dass ihr ehemaliger Chef niemals aus dem Himmel heruntersehen und bereuen musste, dass er ihr diese Möglichkeit geschenkt hatte. Sie hatte bereits beschlossen, die Träume, die sie vor der Testamentseröffnung gehabt hatte, auf Eis zu legen. Dafür war später noch genügend Zeit.

Buford schnaubte und Maddie war sofort hellwach. Er tat niemals etwas, das er nicht wollte, und Maddie wusste nur zu genau, dass er problemlos Hackfleisch aus ihr machen konnte, wenn ihm das einfiel.

Und es fiel ihm ein. Ein kräftiger Tritt ließ die Tür gegen Maddie knallen. Sie schrie auf, als sie durch den knochenbrecherischen Aufprall wie eine Stoffpuppe nach hinten gegen das Gatter geschleudert wurde und die schwere Eisentür sie obendrein von vorne rammte. Der Schmerz explodierte regelrecht in ihr.

Du musst auf den Beinen bleiben.

Die Tür schwang wieder von ihr weg. Instinktiv klammerte sich Maddie an die Stäbe.

Wenn du hinfällst, wird er dich zu Tode trampeln.

Buford trat erneut gegen die Tür und diesmal wurde Maddie die gesamte Luft aus der Lunge gepresst. Durch die Wucht des Schlages stürzte sie.

Genau vor Bufords Hufe.

Sie fiel mit dem Gesicht nach unten und ihr Mund füllte sich mit übel riechendem Schotter. Sie schnappte nach Luft, aber es half nichts. Der Schmerz war so stark, dass sie sich nicht rühren konnte. Hilflos lag sie am Boden, so hilflos wie das Baby damals auf den Stufen des Postamts. Keuchend zwang sie sich, sich zu bewegen. Zu atmen.

Plötzlich versperrten ihr jeansbekleidete Beine in Stiefeln die Sicht auf Buford.

„Hey!“, brüllte der Cowboy und brachte sich damit sofort in Gefahr, als der Bulle aus dem Anhänger stürmte.

Maddie hatte nicht die geringste Ahnung, woher der Mann plötzlich gekommen war, aber er war ein Geschenk des Himmels.

„Mach, dass du fortkommst!“, rief er und wedelte mit den Armen. Er wich keinen Zentimeter zurück, bis Buford schließlich scharf nach rechts ausscherte – weg von Maddie.

Obwohl ihre Lunge immer noch vor Atemnot brannte, spülte eine Welle der Erleichterung über sie hinweg, als sie zusah, wie der Cowboy den Bullen von ihr weg und in das Gatter trieb. Kurz darauf war er wieder bei ihr und ließ sich neben ihr auf die Knie fallen.

„Kommen Sie, drehen Sie sich um, aber langsam“, sagte er und half ihr behutsam, sich auf die Seite zu drehen. „Entspannen Sie sich, dann lässt es sich leichter atmen. Vorsichtig.“

Sie zwang sich, ihre Muskeln zu entkrampfen. Er hatte recht, nach ein paar Atemzügen konnte sie wieder leichter atmen, obwohl es ihr jedes Mal einen scharfen Stich versetzte, wenn sie zu tief Luft holte. „Vielen. Dank“, brachte sie heraus und schenkte ihm ein schwaches Lächeln.

Er erwiderte es nicht. In seinem markanten, attraktiven Gesicht las sie Sorge. „Ich bin froh, dass ich rechtzeitig hier war. Wie fühlen Sie sich jetzt?“

Maddies Puls schlug schneller. Sie war von dem durchdringenden Blick aus seinen indigoblauen Augen wie gebannt. Verlegen riss sie den Blick von ihrem attraktiven Retter los und rieb sich stöhnend über die Rippen. „Als ob ich von einem neunhundert Kilo schweren Bullen getreten wurde.“

Er lächelte.

„Vielleicht haben Sie sich ein paar Rippen gebrochen“, sagte er sanft. Dann wurde sein Ton jedoch rauer. „Was haben Sie überhaupt allein hier draußen gemacht?“

„Einen Bullen verladen“, gab sie schnippisch zurück. Schlimm genug, dass sie so gedemütigt worden war, aber dass er auch noch alles gesehen hatte, machte es nicht besser. Dieser Cowboy hielt sie vermutlich für ein Greenhorn, das nicht die leiseste Ahnung von Bullen oder Vieh hatte.

Um sich eine weniger unterlegene Position zu verschaffen, setzte sie sich auf, wobei sie versuchte, ein Stöhnen zu unterdrücken. Sie fühlte sich tatsächlich schon etwas besser, aber das war keine Überraschung. Ihr Retter würde jede Frau vergessen lassen, dass sie fast von einem Bullen zertrampelt worden wäre, sogar sie.

Für diese Augen bräuchte er eigentlich einen Waffenschein.

Trotz ihres Sauerstoffmangels und der Schmerzen war ihr sofort aufgefallen, dass er umwerfend gut aussah. Unter seinem Hut lugten dunkle Haare hervor und betonten seinen ausgeprägten Kiefer. Seine hohen Wangenknochen bildeten den perfekten Rahmen für seine blauen Augen, die sie immer noch durchdringend anblickten.

Er warf ihr ein einnehmendes Lächeln zu. „Sie sind eine harte Nuss, Maddie Rose.“

Sein Lächeln ließ Maddie plötzlich an lange, süße Küsse denken … Deshalb war es nur allzu verständlich, dass es ein bisschen dauerte, bis sie verarbeitet hatte, dass er ihren Namen kannte.

Dabei war sie ihm nie begegnet. Da war sie ganz sicher, denn daran würde sie sich ganz bestimmt erinnern. Und trotzdem kam er ihr irgendwie bekannt vor.

„Kennen wir uns?“, fragte sie, als ihr benommener Verstand plötzlich die Ähnlichkeit erkannte. „Moment mal, Sie müssen Cliff Masterson sein, Rafes Zwillingsbruder. Der Rodeoreiter.“ Rafe war einer der anderen Teilhaber der Ranch und ein guter Freund.

„Manchmal. Manchmal fresse ich mehr Staub als sie gerade.“ Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Humor und Grimmigkeit und er sah plötzlich seinem Bruder sehr ähnlich. Rafe hatte ihr mal erzählt, dass sie alles andere als eineiig waren. Er hatte recht gehabt.

Zwar waren beide dunkelhaarig und gut aussehend, auch ihre Statur und Gesichtsform glichen sich, aber abgesehen davon hätte niemand die beiden für Zwillinge gehalten.

Sie entspannte sich ein wenig. „Rafe hat erzählt, dass Sie kommen, aber ich dachte, das wäre erst nächste Woche.“

Ein Muskel an seiner Wange zuckte. „Ich hab meine Pläne geändert.“

Die Art und Weise, wie er sich kurz anspannte, und das gequälte Flackern in seinen Augen waren ihr nicht entgangen. „Oh …“

„Wie wäre es, wenn wir Sie ins Haus bringen?“, fragte er, und bevor sie noch antworten oder sogar nur nicken konnte, stand er schon hinter ihr. Mit einer geschmeidigen Bewegung legte er seine starken Arme um Maddie und zog sie sanft auf die Füße.

Für einen kurzen Moment war aller Schmerz vergessen. Sein männlicher Duft umhüllte sie und sie kämpfte gegen den übermächtigen Drang an, sich einfach gegen ihn zu lehnen.

„Lehnen Sie sich gegen mich“, verlangte er, als ob er ihre Gedanken lesen könnte.

Ha! Als ob sie dazu noch eine Aufforderung gebraucht hätte. Auch wenn der scharf einschießende Schmerz aus ihren Rippen die erste Berührung seines Körpers überschattete, so war sich Maddie seiner jedoch sehr bewusst.

Normalerweise ließ sie Männer nicht sehr nah an sich heran. Obwohl sie sich manchmal einsam fühlte und hoffentlich auch eines Tages den Mut aufbringen würde, diesen Zustand zu ändern, hatten sich ihre Gefühle und körperlichen Reaktionen bisher noch nie derartig verselbstständigt.

Weil sie so etwas bisher noch nie gespürt hatte.

Sie schob es auf das eben Durchgemachte.

Obwohl es keine Rolle spielte, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Der Traum, mutig ihre emotionalen Barrieren einzureißen und ihr Herz zu riskieren, um sich zu verlieben und die Familie zu gründen, nach der sie sich sehnte, lag momentan auf Eis.

Ihre Prioritäten hatten sich verschoben. Jetzt wollte sie lediglich nicht versagen und beweisen, dass sie ihr Erbe verdiente.

Ihr Retter und die Tatsache, dass sie überhaupt Hilfe gebraucht hatte, machten ihr jedoch klar, dass das nicht leicht werden würde.